Karlsdialoge #009 mit Philippe Rixhon: Denkansätze zur Zukunft des Urheberrechts im digitalen Zeitalter


Für mich persönlich war dieser Podcast extrem erhellend. Philippe Rixhon weiß nicht nur unheimlich viel über das Thema, er ist auch als interdisziplinärer Macher und Denker bestens für diesen Themenkomplex geeignet. Der Weltbürger und Entrepreneur erinnert mich ein wenig an Bucky Fuller, er ist Ingenieur und so sagte man mir, war in der Vergangenheit ein sehr genialer Programmierer. Er ist Theaterwissenschaftler und Theatermacher. Er ist Philosoph und verfügt gleichzeitig noch über Talent im Bereich Management und Wirtschaft. Er berät nicht nur international seit vielen Jahren Unternehmen und Kultureinrichtungen, sondern auch Politiker weltweit. Auf der Website seines Unternehmens hat Rixhon einen Vorschlag zum Umgang mit der Urheberrechtsdebatte publiziert. Dieser Vorschlag basiert auf einem bereits von vielen Staaten unterschriebenen Dokument, nämlich Artikel 27 der UNO Menschenrechtskonventionen, der “Universal Declaration of Human Rights”, die da schreibt:

1. Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.

2. Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.

Klingt paradox? Genau das macht es so komplex, meint Philippe Rixhon, aber genau das sei auch eine wichtige Grundlage auf der man aufbauen muss. Er ist der Ansicht, dass es heute noch keine Lösung geben kann, man nun aber dringend eine Methode zur Lösungsentwicklung angehen muss und zwar so, dass vornehmlich im Interesse der Künstler und Konsumenten gehandelt wird und nicht unbedingt im alleinigen Interesse der großen Verwerter- und Benutzergesellschaften (Gema, Google etc.). In diesem zugegeben sehr langen Podcast sprechen wir über das komplexe Thema Urheberrecht, über dessen globale Dimension und Historie. Wir reden über die unterschiedlichen Akteure innerhalb dieser Debatte und sprechen über die Übergangszeit zu einer vernünftigen Lösung. Wir reden über ACTA, die Verantwortung von Künstlern und die Aufgabengebiete der Kulturmanager. Dieses Gespräch hat mir persönlich wesentlich mehr gebracht, als alle Zeitungsartikel, die ich bisher zu diesem Thema gelesen habe.

Links zur Sendung (wird ggf. ergänzt):

Philippe Rixhon: An innovative approach to the future of copyright
Portrait von Philippe Rixhon auf unserem Blog
Prof. Dr. Lutz Becker im Harvard Business Manager Blog: Vor der nächsten Revolution
ACTA
Magnum Photos
Akram Khan Dance Company

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5 Kommentare

  1. Ja, wobei es wichtig ist wie man Regulierung definiert. Fand den Satz interessant: “Es wird sich regulieren oder es wird sich zerstören.”

    Wer das unter welchen Bedingungen reguliert ist offen, aber es wird und muss geschehen. Und wenn ich mir beispielsweise das Thema “Gewalt in der Erziehung” in Tschechien anschaue, http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/auslandsjournal/2942600/22698248/455d82/Wer-nicht-h%C3%B6ren-will-muss-f%C3%BChlen.html dann sind viele Eltern empört, wenn der Staat die Gewalt an Kindern nun verbieten will (also regulieren will). Aber genau solche Gesetze sind notwendig um Zivilisierung voranzuschreiten. Sie regulieren den Umgang miteinander. Und wenn wir zur Regulation – und Philippe Rixhon erwähnte das – die UNO Menschrechte als Grundlage hernehmen, kann das gar nicht so verkehrt sein.

  2. Pingback: Urheberrecht: Raus aus der Problemtrance! | Karlshochschule International University

  3. Pingback: Urheberrei “gelesen und kommentiert” vom 07.06.2012 | Kultur2Punkt0

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